Donnerstag, 10. Januar 2013

Frage: Was ist der Unterschied zwischen dysphonetischer und dyseidetischer Legasthenie?

- Mir wurde gesagt, mein Sohn sei ein dysphonischer Legastheniker. Ich habe versucht, Informationen zu diesem Thema zu finden, um mehr darüber zu erfahren  und wie ich ihm helfen kann.

- Im vergangenen Jahr wurde bei meiner 14-jährigen Tochter  durch einen Neuropsychologen eine dyseidetische Legasthenie diagnostiziert. Ich wäre sehr dankbar, wenn Sie mir erklären würden, was das ist.


Antwort: (Von Abigail Marshall)

Die Begriffe „dysphonetisch“ und „dyseidetisch“ werden verwendet, um die typischen Symptome der Legasthenie zu beschreiben. Wer als „dysphonetisch“ bezeichnet wird, hat Schwierigkeiten, Laute mit Symbolen zu verbinden. Er hat es meist schwer, Wörter auszusprechen, und seine Schreibfehler deuten auf eine sehr schlechte Auffassungsgabe für Laute hin. Dies wird manchmal auch als „akustische" Legasthenie bezeichnet, weil es sich darauf bezieht, wie die Person die Laute der Sprache verarbeitet.


Andererseits hat die „dyseidetische“ Person im Allgemeinen ein gutes Verständnis der lautlichen Begriffe, aber große Schwierigkeiten mit der Erkennung ganzer Wörter und der Schreibweise. Diese Art der Legasthenie wird manchmal auch als „Oberflächenlegasthenie" oder "visuelle“ Legasthenie bezeichnet.
Typischerweise werden die Wörter so geschrieben, dass man sie leicht klanglich entschlüsseln kann, aber sie können sehr weit von der richtigen Schreibweise entfernt sein. Zum Beispiel das Wort „Flugzeug“ könnte „Flukzoik“ geschrieben werden. Man sieht auch vertauschte Buchstaben und manchmal sogar die komplette Umkehr der Schreibweise (z. B. das Wort „lief“ wird „fiel“ geschrieben ) - aber die Buchstaben, die dem richtigen Klang entsprechen, sind alle vorhanden.

Die meisten Therapieprogramme sind so ausgerichtet, dass mehr Wert auf das Lautliche gelegt wird. Dadurch wird den „dysphonetischen“ Legasthenikern einigermaßen geholfen, aber diese Maßnahmen befassen sich nicht mit allen grundlegenden Problemen, die mit Legasthenie zusammenhängen.
Oft wird die Lautierschulung helfen, lesen zu lernen, jedoch wird der Schüler es noch immer schwierig finden und nicht zum Vergnügen lesen oder er wird keine Fortschritte erzielen mit Lesematerial, das das Grundschulniveau übersteigt.

Unglücklicherweise werden die auf dem Lautieren aufbauenden Programme einem „dyseidetischen“ Legastheniker überhaupt nicht helfen. Vielmehr wird  dessen Verwirrung nur vergrößert, weil er auf etwas gedrillt wird, was er schon kennt, ohne dabei ein Mittel an die Hand zu bekommen, womit er Fertigkeiten entwickeln kann, ganze Wörter zu erkennen oder solche, die nicht genau so klingen, wie sie geschrieben werden.

Davis®-Methoden helfen Legasthenikern beider Varianten, weil sie sich mit den grundlegenden Problemen befassen, die Legasthenie entstehen lassen: durch Davis®-Orientierung und Davis®-Symbolbeherrschung.

Ebenso würde wahrscheinlich ein sehr junges Kind, das auch Störungen beim Wahrnehmen und  Verarbeiten von Lauten der Sprache hat, von gezielter Lautieranweisung in Ergänzung zu den Davis-Methoden profitieren. Dies muss nicht unbedingt eine bestimmte Anleitung sein, die auf legasthenische Schüler ausgerichtet ist, weil die Davis-Methoden dem Kind die Mittel zur Verfügung stellen, mit denen es rasch neue Begriffe meistern kann.

Oft haben ältere Kinder und Erwachsene bereits eine umfangreiche Lautierschulung erhalten, aber immer noch Probleme mit dem Lesen. Für diese Menschen sind Davis-Methoden oft der Schlüssel, der die Hindernisse für‘s Verstehen beseitigt und ihnen ermöglicht, bisheriges Training nutzbar zu machen. Aus diesem Grund erscheinen Fortschritte bei älteren Kindern und Erwachsenen oft erstaunlich schnell, mit einem Zuwachs an Lesefertigkeit von mehreren Klassenstufen innerhalb der ersten Woche.

von Abigail Marshall, Übersetzung: Beate Tiletzek

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